Günter Müller - Malerei / Objekte
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Fabulierer im Farbenmeer

In der Remise des Schleswig- Holstein- Hauses zeigt der Maler Günter Müller unter dem Titel "Surremise" neuere Arbeiten


Der Maler Günter Müller ist auf einem guten Weg. Was immer auch passiert sein mag - und was es gewesen sein könnte, scheinen einige seiner neueren Bilder zu verraten - dem Direktor des expressiven Bildertheaters sind die Geschichten nicht ausgegangen. Im Gegenteil. Mit ungebrochener Fabulierlust sind in den vergangenen zwei, drei Jahren großformatige Bilder entstanden, an denen man sich nicht sattsehen kann. Vorausgesetzt, man kann und will und wagt sich in seine Gartenurwälder , Sturmmeere und mythischen Welten hinein. In denen immer noch Narren, Weibsbilder und Könige das Sagen haben und allerlei versteckte Wesen und verrückte Figuren, mit denen aufmerksame Betrachter ihre eigenen Geschichten erfinden können. Ob die dann mit denen des Künstlers aus Gammelin viel oder wenig zu tun haben? Der Maler selbst wird es nicht verraten.
" Meistens ist der Mensch der Akteur meiner Geschichten, die manchmal grandios und manchmal alltäglich, aber mir in jedem Fall erzählenswert sind", sagt Günter Müller, dessen Narren und Puppenspieler auffallend häufig seine kantigen Gesichtszüge tragen. Müller ist mitten drin in seinen Bildern, sozusagen mit Leib und künstlerischer Seele. Wie sollte es auch anders sein? Diese Bider sind das Werk eines kreativen, rastlosen Rackerers an der Staffelei. Der Grafiker und Maler und große Theaterfreund Joachim John brachte bei seiner Eröffnungsrede den Sturm und Drang auf die Bühne, den man für Müller erfinden könnte, wäre der Begriff nicht 250 Jahre alt.
Und wirklich: Mit Halbherzigem gibt Müller sich nicht zufrieden. Für seine Bildergeschichten sind ihm nur die leuchtendsten, expressivsten Farben prächtig genug. Als reiche ihm selbst das größte Format nicht, muss er jede noch so kleine Fläche des Bildes mit seinen nah am Strich gemalten Figuren und Formen ausfüllen, allen Gesetzen der Perspektive zum Trotz.
Im "Gartenstück" irrt der Blick durch einen grünen Dschungel. Der "Tierparkdirektor" gebietet über eine angsteinflößende, geheimnisvolle Menagerie. Das nackte "Paar" erfreut sich an einer phallisch - geil aufragenden Pflanze. Die "Überfahrt" ist ein Treffen mythologischer Figuren. Und im "Schiffbruch", eines der eindringlichsten Bilder dieser Ausstellung, bleibt ein einsamer Steuermann inmitten der das Schiff überflutenden See auf seinem Posten, während hinter seinem Rücken am vorderen Bildrand Takelage und Aufbauten zusammenbrechen. Würde er sich umdrehen, dieser Seemann, jede Wette, wir würden in das Gesicht des Malers selbst blicken. Der gleich darauf wieder, seinem inneren Kompass vertrauend, unbeirrbar Kurs hält. Wohin?

Holger Kankel in der "Schweriner Volkszeitung" vom 19./ 20. Juni 2010
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Der Betrachter als Regisseur

Günter Müller ist ein Figurenmaler. Seine Gemälde sind ein Gegenpol zum täglichen Schnellfeuer der Bilder, die von allen Seiten auf uns einprasseln. Dieser Rastlosigkeit versucht er sich bewusst zu entziehen. Mit Realitätsverweigerung hat das nichts zu tun. Seine Gemälde sind keine Fluchten. Dazu ist Müller viel zu bodenständig. In seiner Kunst spiegelt sich viel mehr das große Weltentheater. Aber eben nicht als Momentaufnahme. Sondern als Destillat. Als eine sich selbst vervollständigende Geschichte, die dem Betrachter die Rolle des Regisseurs nahelegt.

Müllers Bilder beunruhigen. Wer Eindeutigkeiten in ihnen sucht, wird enttäuscht. Eher schon glaubt man in ihnen das Echo von Träumen oder Albträumen zu vernehmen. Oder die Fährten von Erinnerung aufzuspüren, die sich in die Persönlichkeit des Künstlers eingegraben haben und auf die Leinwand drängen.

So bezieht sich „die eigene Handschrift“ dieses Künstlers eben nicht nur auf die Form, sondern berichtet auch von biografischer Herkunft.

Indem wir die Gefühlszustände seiner Figuren zu ergründen suchen, erkennen wir uns selbst.

Michaela Christen, 2010

Gartenstück, 2010
Öl auf Leinwand, 102x102
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Expressives Bildertheater

Der Maler Günter Müller und seine verrätselten Geschichten

Holger Kankel in der „Schweriner Volkszeitung“
vom 20/21.9.2008

Ritter Kahlbutz bekommt Besuch. Im nahen Schloss Kampehl inszeniert Günter Müller ab heute in einer großen Ausstellung sein phantastisches Bildertheater. Handelnde Figuren: Ritter, Tod und Teufel, Weiber und Männer, Könige und Narren.

Der alte Ritter, den ein Fluch nicht verwesen lässt, ist mit seiner tollen Moritat in guter Nachbarschaft zu den überbordenden Geschichten des Künstlers aus Gammelin, dessen Bilder in vielerlei Hinsicht viele Rahmen sprengen.

Ein Verräter ist Günter Müller nicht. Jedenfalls kein Verräter an seinem Werk. Wohlfeile Interpretationshilfen liefert der Künstler nicht, wie man es von anderen, die Markt, Medien und Sammler im Auge haben, gewohnt ist.

„Weib und Mann, König und Narr, die machen doch das ganze Welttheater aus“, umreißt Müller immerhin die Hauptakteure seines farbenprächtigen, figurenreichen Bildertheaters. Das auch von Fischen und Engeln, von Heiligen, Lichtbringern, Wächtern, Turmbauern, Götzenanbetern und allerlei Getier bevölkert wird. Die menschlichen Figuren, zuweilen als Porträt erkennbar, erscheinen in dem Zustand, in dem sie sich nicht verstecken können - nackt.

Überhaupt strahlen die großformatigen Bilder Müllers die pure Lust am Leben und an der Liebe aus. Im Hauptwerk der Ausstellung, Ikara, hebt ein weiblicher Akt im Zentrum des Bildes an, in die Lüfte zu entschweben. Zugleich hält sie ihre Arme schützend über den ganzen irdischen Zirkus. Müller scheint den Frauen mehr Kraft und Mut und Phantasie zuzutrauen als dem alten Adam. Auch die menschliche Pyramide, den Turmbau zu Babel von Pieter Brueghel zitierend, krönt eine prächtige Eva.
Günter Müllers Bilder erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Wenn überhaupt. Als innersten Ansporn für seine Arbeiten beschreibt der gelernte Gebrauchswerber, 1956 in Wusterhausen geboren, Geschichten erzählen zu wollen. Große und kleine Geschichten vom Menschen, der sich in einer mit Lärm und Bildern zugemüllten Welt zu behaupten sucht.

Überfahrt, 2008/09
Mischtechnik auf Pappe, 92x101

Mit dem Blick in die Vergangenheit eine Vision zu suchen für ein menschlicheres Leben. Vielleicht so wie Walter Benjamins Engel der Geschichte, der das Antlitz der katastrophalen Vergangenheit zuwendet, aber vom Sturm aus dem Paradies unaufhaltsam in die Zukunft getrieben wird. In den Fortschritt?

Als Vorbilder verweist Müller auf die Malwelten eines Werner Liebmann, auch auf die expressiven Figuren der Heisigs, Vater und Sohn, und besonders auf das bewunderte Lebenswerk Joachim Johns.

Was Günter Müller als „einfach Geschichten erzählen“ beschreibt, erweist sich in der Arbeit, im Malen und wiederholtem Übermalen, im Fabulieren mit Öl und Acryl auf hartem Malgrund, oft als so schwierig, dass der ersten Tafel nach und nach zwei, drei, vier hinzugefügt werden, wenn die Geschichte noch nicht auserzählt zu sein scheint. So erobern die Bilder, die Figuren und ihre Geschichten den Raum, den sie beanspruchen dürfen. Den sie beanspruchen müssen. Um zu werden, was sie sind.


Ausstellung: Günter Müller, Schloss Kampehl, 20. 9. - 16. 10. 2008

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www.kunstgriff-mueller.de: Alle Rechte bei Günter Müller 2017